[21.11.2016] „Ich mach’s wieder“

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Mit Bronze kehrte Stephanie Günsch (32) von den Judo-World Championships for Veterans der IJF (International Judo Federation) in Fort Lauderdale/Florida (USA) zurück. Die Freude darüber bei ihr, ihrer Familie und ihrem Verein SV Schmalkalden 04 war riesig.

Schmalkalden – So richtig tief und innerlich freuen wird sich Stephanie erst nach und nach. Wenn die ungeheure Spannung abfällt, die sie das letzte halbe Jahr begleitete. „Nach den Wettkämpfen muss ich erst einmal zu mir kommen“, sagt sie.
Eine WM mit knapp tausend Teilnehmern in den USA – das ist schon eine Riesensache, weiß die Seligenthälerin jetzt. Das Convention Center in Fort Lauderdale beeindruckend, die Kontrollen ungeahnt penibel. Die jüngere Schwester Susanne, die sie coachte, benötigte nochmals eine extra Anmeldung, „der Kinderwagen (für ihre gerade mal einjährige Tochter Ida Helene) wurde regelmäßig auseinandergenommen, ehe wir in die Halle durften“. Anmeldung, Akkreditierung, Wiegen – alles war glücklich überstanden und es ging zum ersten Kampf gegen die Italienerin Palma Amalia. Zu Hause wurde dank sozialer Medien live mitgefiebert. Klaus-Peter Loch, der 2013 WM-Silber geholt hatte sagt: „Stephanie hat unsere Worte beherzigt und nicht gleich wie üblich bei ihr, wild angegriffen. Sie hat sich sehr gut gehalten, mit ihrer Spezialtechnik Tai Otoshi gepunktet, aber sich nach einer kleinen Unachtsamkeit 30 Sekunden vor Schluss auskontern lassen“. Brutal ärgerlich.
„Den zweiten Kampf gegen die spätere Weltmeisterin Aniko Illés aus Ungarn habe ich komplett verpennt,“ analysiert Stephanie selbstkritisch. „Ich hatte auch zu viel Respekt, Kopfsache eben. Vielleicht war es ein Fehler, dass ich mich vorher über jede Kontrahentin genau informiert habe“. Im Modus Jede gegen Jede stand ihr schließlich Claudia Vedemo, eine aus Brasilien gebürtige Schwedin, gegenüber. Ein ganz schönes Kaliber. Aber gegen sie lief es im weißen Anzug von vornherein wie geschmiert. Vedemo wurde wegen Inaktivität und einem Grifffehler bestraft. Bereits nach kurzer Zeit schaffte Stephanie mit ihrer Spezialtechnik die entscheidende Wertung und beherrschte ihre Gegnerin anschließend mit Festhalte. Stephanie Günsch gewann mit Ippon: das war Bronze in der Gewichtsklasse bis 52 kg! Die Schmalkalderin trug so auch zur guten Bilanz der insgesamt 50 deutschen Starter bei, die in der Nationenwertung auf Rang fünf kamen. Unter den ersten Gratulanten –  „Wooooh!“, schrieb er, war der quasi Namenspate ihres Sohnes Ole, Olympiasieger Ole Bischof, das freute Stephanie sehr.
Die WM war sportlich für sie ein großer Erfolg, wenn die ehrgeizige Judokämpferin auch mit den beiden verlorenen Kämpfen hadert, insbesondere mit dem ersten. Hinzu kamen die vielen unvergesslichen Erlebnisse in Florida. Einmal so weit geflogen, nutzten sie und ihre Begleitung mit Kind, Lebensgefährt, Freundin, Schwester, Schwägerin die Gelegenheit, sich umzusehen und tatsächlich, wie Angelika Wilhelm ihr es gewünscht hatte, mit einer Medaille und mit „tollen Eindrücken“ zurückzukehren. Zurück in Schmalkalden begleitete sie Sohn Ole sofort wieder zum Training in der Hans-Dieter-Clemen-Sporthalle. Dort gab es eine Umarmung nach der anderen und einen Ehrenpokal des SV Schmalkalden 04, den ihr Vereinschefin Wilhelm überreichte.
Stephanie Günsch erzählt und erzählt, und – nach einer ganz kurzen Pause – sagt sie mehr zu sich selbst: „Ich mach’s auch wieder. Ja, ich kämpfe weiter“. Erstmal bei der Deutschen Meisterschaft im April 2017 in Wiesbaden. „Dann sehen wir weiter“